Samstag, 9. Juni 2012

Wie meine Welt auf meinen Veganismus reagiert...


Immer die Sache mit dem Essen...
und schon wieder ein Thema, bei dem es um Essen, nicht essen und was essen geht.
Die, die mich ein bisschen kennen, kennen meine Eigenheiten ums Essen. Es ging schon im Kindesalter los. Mein Bruder und meine Oma waren oft genug genervt und meinem Bruder war ich oft genug unangenehm, wenn ich bei Oma mal wieder genörgelt habe.

Seitdem ich noch mehr Sport mache als Sport, hat sich mein Essverhalten noch einmal ganz schön geändert. Dieses nennt sich somatische Intelligenz. Alle um mich rum hassen Sie, ich liebe sie. Auch wenn sie mir das Leben noch schwerer macht als schwer.....

Mein Körper sagt mir was ich essen möchte. Dieses geht, zumindest bei mir mit einer Handbewegung einher. Ich schmecke/fühle  sozusagen vor, was ich essen möchte, nehme es gedanklich in den Mund, schaue wie es schmeckt und ob ich es essen möchte. Dieses Procedere kann auch schon mal bis zu 3 Stunden dauern. Wenn ich bis dahin nicht weiß was ich essen möchte esse ich meistens gar nichts. Ich kann einfach nicht nur essen um satt zu werden.

Aber ich möchte euch gar nicht mit meinem Essverhalten langweilen, geht es in diesem Text doch um Beobachtungen zum Thema essen bzw. anders essen.

AUF DEUTSCH: VEGAN ESSEN.

Es fing irgendwann in diesem Jahr an, dass ich beschloss meine Ernährung zu ändern. Verschiedene Varianten der Ernährungsumstellung habe ich mir angeschaut und durchdacht, aber nirgendwo hat es so richtig ‚klick’ gemacht. Mein Körper sendete mir Signale, dass es Zeit ist.
Ich habe nie wirklich Schrott gegessen, aber schon immer zu wenig. Und auch immer noch kämpfe ich bei meinem enormen Kalorienverbrauch durch den Sport darum, dass aufzunehmen was ich verbrauche. Oft schaffe ich es nicht, am Abend kann ich detailgenau wiedergeben was ich zu mir genommen habe (sehr zur Verwunderung meiner Freunde).

Hin und her überlegt, habe ich darüber nachgedacht mich vegan zu ernähren. Ich setze ja schnell und konsequent um, aber vorher wäge ich ab, lese viel und beschäftige mich mit Vor/ Nachteilen, Bedingungen, Herausforderungen vor allen Dingen als Sportlerin, etc.

Der Entschluss stand fest und ich fing Ende April an, auf Raten von Freunden nicht gleich konsequent aber Stück für Stück es umzusetzen.

Als erstes erzählte ich nur ganz wenigen davon. Und fing an alle großen tierischen Produkte wegzulassen. Also Milch, Fleisch, Fisch, Gelantine, Schokolade, Käse, Eier, Eiweißshakes, Butter,......bei Eis fiel es mir schwer, da ja die Eissaison bei Vanille und Marille gerade losging. Einglück ist Sorbet ohne Milch und ich bleibe denen als Kunde erhalten J.

Als Stichtag komplett umzustellen, also in Restaurants nach den Inhalten zu Fragen, noch mehr im Supermarkt die Inhalte zu studieren (es ist ja nicht so, dass ich das nicht vorher auch schon gemacht habe, aber die Dimension ist jetzt schon eine andere) und wirklich auf alle tierischen Produkte zu verzichten habe ich mir den 01. Juni gesetzt.

Die ersten veganen Kuchen habe ich schon gebacken und sie sind mir gelungen. Eine Schwierigkeit die sich mir nun stellt ist, dass ich Sojaprodukte nicht so gut vertrage. Das heißt, die Revolution der Sojamilch in öffentlichen Cafes finde ich total super, nur für mich völlig wertlos, wie wäre es mit Hafermilch oder Reismilch?

Was ich bis dato noch nicht wusste ist, dass ganz viele Menschen Soja nicht gut vertragen.

Mein Bruder kam gleich mit dem Argument, dass der Regenwald abgeholzt wird um Soja anzubauen. Und ja, Soja ist ein umstrittenes Produkt, weil es sehr gut manipulierbar ist.
Dazu möchte ich aber anmerken, dass z.B. in den USA 70% des Getreides an Tiere verfüttert wird. Theoretisch könnte man das ja entweder nutzen um Soja anzubauen und dafür den Regenwald nicht mehr abzuholzen oder den Welthunger zu stillen.

Also, Soja wurde auch gestrichen von meinem Speiseplan bzw. wird es mehr als selten gegessen.

Ich habe mich zu Beginn wirklich nur aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden vegan zu essen. (Zu den gesundheitlichen Punkten komme ich noch). Aber mir war schon immer klar, dass ich, wenn ich einmal darüber nachdenke, ernsthaft nachdenke, was in unserer Welt passiert (Massentierhaltung, Vergasung von Küken, Antibiotikamissbrauch, Zivilisationskrankheiten durch Ernährungslügen,....die Liste ist elendig lang) Konsequenzen ziehen muss. Und ja, mittlerweile ist es auch ein ethischer, moralischer Grund, warum ich auf tierische Produkte verzichte. Für jemanden, der diese Moral nicht hat, weil ihm sein Fleisch wichtig ist, der sollte wenigstens die gesundheitlichen Faktoren in Betracht ziehen oder mal darüber nachdenken.

Ich möchte gar nicht mit einem erhobenen Zeigefinger kommen und mir ist es egal, ob mein Gegenüber Fleisch isst oder nicht, das geht mich gar nichts an. Aber Fakten sind Fakten. Und medizinische Studien sind medizinische Studien. Das einzige was ich tue und das habe ich schon immer so gemacht, ob es um den Glauben oder andere Dinge ging, mich nicht zu verstecken, mit Menschen drüber zu reden, wenn sie mich Fragen (und in 99% der Fälle fragen sie) und nach bestem Wissen zu antworten und auch die Sachen zu sagen die niemand hören/sehen/beachten möchte. Aber der wichtigste Punkt: es zu Leben.

Nach und nach habe ich es dann in meinem Freundeskreis bekannt gemacht. Die Reaktionen waren unglaublich. Und in den meisten Fällen doch eher von Egoismus geprägt. Natürlich immer auch von Verständnis –irgendwie.

Kommen wir zu dem spannenden Punkt des Verzichts. Viele Menschen sind traurig für mich, dass ich dieses und jenes und sowieso nicht mehr essen darf. Aber warum denn? Ich sehe das ganze ja nicht als Verzicht, sondern als eine Bereicherung. Und mal im Ernst, wenn ich so leiden würde, dann würde ich es auch nicht mehr machen. Ist doch klar oder?  


Folgendes habe ich bisher so gehört:
„Sophie, was isst du denn dann, wenn wir essen gehen bzw. dann kannst du ja gar nicht mehr mit uns essen gehen.“
(Ach, kannst du es nicht ertragen, wenn ich im Restaurant neben dir sitze und evt. nichts esse, du aber schon? Auch dazu möchte ich anmerken, dass ich meistens abends eh nicht mehr esse, wer mit mir Abendessen gehen möchte, sollte mich, bis auf wenige, wirklich wenige Ausnahmen Nachmittags gegen 16./ 17.00 Uhr treffen).

„Sophie, das wird ja richtig anstrengend mit dir.“
Dazu meine Antwort: Essen mit mir und meiner somatischen Intelligenz ist schon immer anstrengend, fragt mal meine Kollegen im Büro, die können ein Lied davon singen, also ändert sich in diesem Punkt zumindest nichts.)

„Aber Sophie, du als Sportlerin, wo nimmst du denn dein Eiweiß her?“
Ach, haben nur Tiere Eiweiß? Mensch, wer sich einmal mit Ernährung beschäftigt hat und ich habe mich schon viel zu viel mit damit beschäftigt und bin es manchmal auch echt leid, der müsste doch wissen, das nicht nur Tiere Eiweiß haben.
Auch dazu wieder eine Anmerkung von mir: Tierische Proteine sind für den Körper gar nicht so gut verwertbar, wie pflanzliche Proteine.

„Schmeckt es denn?“
Neeee.....man na klar. Wenn jemand nicht kochen kann schmeckt es doch auch nicht oder? Das ist ein ganz einfaches Prinzip.

Was hatte ich denn noch.....
„Was willst du denn bei Mama essen?“
Tja, entweder muss Mama kochen, was Töchterchen isst oder es gibt Salat oder Töchterchen muss kochen.

Salat, Reis, Obst und Gemüse gehören doch eh zu meinem Lieblingsessen. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich tagelang nur Salat esse und vollkommen glücklich bin.


ABER JA und jetzt kommt das, was alle hören möchten:
Das Leben ist anstrengend als Veganerin. Und wisst ihr wieso? Weil die Industrie es einem soooo schwer macht essen zu bekommen ohne tierische Produkte. Überall ist irgendwie Milch oder Ei drin oder Gelantine. WOZU??????
Oh ja als Bindemittel, fast vergessen.

Wieso kann ich veganen Kuchen backen, von dem niemand merkt (das war ein Versuch, danke meine liebe Cycling Ausbildung) das er vegan ist?
Natürlich ist es schwieriger an einem langen Tag, mal eben was zu essen.
Und natürlich plane ich jetzt noch mehr als vorher das Essen für den Tag.
(Meine B-Lizenz Mädels können berichten....).

Und ja, ich muss aufpassen nicht noch weniger zu essen. Das stimmt schon. Und damit meine ich nicht die Menge, sondern die Wertigkeit. Es reicht eben nicht, auch wenn es sich für mich manchmal so anfühlt, an einem Tag, an dem ich 2-3 Kurse gebe oder mache nur Salat und Reis zum Mittag zu essen und eine Banane in der Tasche zu haben.
Und Süßes, also das was mir vorher manchmal wirklich die Kalorien in die Tasche gespielt hat, esse ich eben auch nicht mehr. Einfach weil ich keinen Appetit darauf habe. Sehr spannend zu beobachten.

Für heute lasse ich das mal so stehen. Zu den gesundheitlichen und moralischen Aspekten komme ich in einem meiner nächsten Artikel.

Wer noch mehr zu Gründen/ Argumenten lesen möchte, liest hier:

Sonntag, 25. März 2012

Über Strausse und andere Vögel



Der Strauss der den Kopf in den Sand steckt. Ein wirklich schönes Bild, welches wir immer wieder in dieser Welt beobachten und erleben dürfen.


Es ist leider aber auch oft ein Bild für meine Umgebung.


Es ist sehr interessant, welche Personen man anzieht. Sind es doch oft diejenigen

die uns gedanklich stoßen – anstoßen. Entweder passt uns etwas an ihnen nicht und wir sollen etwas lernen oder sie sollen etwas lernen, weil wir eine Eigenschaft besitzen, die ihre Aufgabe darstellt. Letztendlich können wir von jedem Menschen der uns umgibt oder der unser Leben streift (ob kurz oder lang) etwas mitnehmen.


Spannend. Ich habe seit einiger Zeit, vielleicht auch schon immer,

Menschen um mich, die gerne den Kopf in den Sand stecken und sich einfach ausschweigen zu Dingen, zu Konflikten.


Wie ich das hasse, das Ausschweigen. Soll ich nun lernen das Schweigen zu ertragen oder sollen sie lernen Dinge auszusprechen? Meine Aufgabe hat wohl weniger mit diesem Part zu tun. Eher mit etwas anderem.

Aber darum geht es hier ja nicht.


Wie sagte eine enge Freundin über mich? Man kann mit mir über alles reden solange man über alles redet? Bingo.

(Dort ist der schwierige Punkt der Ehrlichkeit, sich selbst und in diesem Falle dann auch mir gegenüber, aber das Thema, folgt)

Sophie erkannt. Redet über alles. ALLES. Angenehm, unangenehm ganz egal. Alles ist machbar und händelbar und lösbar. Und alles ist eine Aufgabe. Aus absolut ALLEM kann man etwas lernen und mitnehmen.

Es gibt keine Probleme, es gibt zumindest für mich nur Herausforderungen, die eine Lösung erfordern.

So kommen wir zu den Vögeln in meiner Umgebung. So hat mich mancher schon in den Wahnsinn getrieben mit seiner Vogel-Stauss Mentalität. Aber momentan wird der Vogel abgeschossen oder habe ich die Vögel endlich abgeschossen?


Hahaha. Was für ein Wortspiel. Aber leider nicht witzig.


Ist es denn wirklich notwendig bei Problemen den Kopf in den Sand zu stecken und den anderen mit seinen Gefühlen im Stich zu lassen?


Natürlich gibt es immer den Moment, dass man sich klar werden muss über Dinge. Das man Zeit braucht um sich zu sortieren.

Aber darf ich darüber hinaus mein Gegenüber vergessen?


Es ist doch ein Fakt das jeder eine Verantwortung dem anderen Gegenüber hat. Und es eine Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit sein sollte diese auch zu übernehmen. Gerade wenn man in engerer Verbindung zueinander steht (abgesehen davon, dass der Grad der Verbindung egal sein sollte).

Diese Verantwortung übernehme ich aber nicht, wenn ich den Kopf in den Sand stecke und den anderen in einem luftleeren Raum zurücklasse mit seinen Gedanken und seiner Unwissenheit darüber was geschieht.


Verantwortung für jemand anderes zu übernehmen setzt aber auch voraus, dass ich in der Lage bin die Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen. Und wenn ich mich so umschaue....



Nun gut. So schade es ist. Jeder muss für sich morgens in den Spiegel schauen, sich in die Augen schauen und jeden Tag aufs neue entscheiden ob er fair, gerecht, ehrlich und sich der Verantwortung bewusst leben möchte.


Freitag, 9. März 2012

Zweischneidiges Schwert


Nicht hart werden ist die Herausforderung, in einer Welt in der man von allen Seiten mit Schatten konfrontiert wird.

In der die persönliche Enttäuschung, Gewalt, Verluste und Armut einen in den meisten Fällen von klein auf begleiten.

Nicht hart werden heißt es, wenn man sich in seiner Umgebung umschaut und alles dunkel ist.

Kein Schimmer Hoffnung, kein Lichtblick irgendwo.



Nicht hart werden heißt es, wenn man die Zeitungen aufschlägt. Und nicht hart werden heißt es,

wenn man immer und immer wieder auf die Schnauze fällt und niemand da zu sein scheint der einem aufhilft.



Nicht hart zu werden ist die Herausforderung in einer Welt in der es nur um Macht und Geld geht.

Nicht hart werden um sich zu schützen, wenn man die Zeitung aufschlägt.


Eine Schutzmauer ja, aber nicht verbittert und hasserfüllt werden.


Nicht hart werden heißt es, wenn Freunde einen enttäuschen.

Nicht hart werden den Freunden, sich selbst und der restlichen Welt gegenüber.


Verbittert werden und hart ist keine Herausforderung. Es ist der einfachste Weg, der wirklich wenig Kraft kostet.

Erst einmal. Man muss nur mit dem gehen was passiert.


Aus dem Buch„Die fünf Menschen die dir im Himmel begegnen“ von Mitch Albom stammt folgendes Zitat:


Zorn ist Gift. Er zerfrisst dich von innen heraus.

Wir glauben, der Hass sei eine Waffe,

die die Person verletzt die uns Unrecht getan hat.

Aber der Hass ist ein zweischneidiges Schwert.

Das Leid, das wir anderen zufügen, fügen wir uns selbst zu.


Wer hat schon einmal gehasst? Und wer ist darüber schon grau und unzufrieden geworden,

weil er alle Energie ins hassen gesteckt hat?


JA genau dort ist es, das zweischneidige Schwert. Sieh noch einmal hin, so weh es auch tut.

Und in den meisten Fällen merkt man es erst Jahre später.


Es heißt mutig bleiben auch wenn man enttäuscht wurde. Es heißt einmal mehr aufstehen als man hingefallen ist.

Es heißt Hoffnung zu haben, zu leben und zu geben. Für sich und für andere.


Es heißt tiefe Täler überstehen, weil dann die Sonne wieder kommt.

Und sollte es doch regnen heißt es Schuhe aus und barfuss tanzen.

Es heißt zu sehen wie unperfekt man ist und doch wie einzigartig und schön.

Es heißt zu lieben und zu geben. Dann kommt Liebe und Nehmen auch zu dir.

Dienstag, 28. Februar 2012

Freiheit bedeutet mir alles....



"Ich bau ´ne Stadt für dich aus Glas und Gold und Stein.
Die Straße, die hinausführt, führt auch wieder rein.
Ich bau eine Stadt für dich und für mich.
Eine Stadt in der es keine Angst gibt nur Vertraun

wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbauen.
Wo das Licht nicht erlischt!
Das Wasser heilt!"


Ich bau eine Stadt für dich – Cassandra Steen ft. Adel Tawil



Es heißt also:

ich baue eine Stadt für dich, aus Glas und Gold und Stein...

und nicht ein Gefängnis.


es geht weiter: ...Die Straße, die hinausführt, , führt auch wieder rein...

nicht: wenn du einmal drinnen bist, lass ich dich nie wieder raus.



Seit einiger Zeit beschäftigt mich das Thema Freiheit. Und ich habe mir vorgenommen sie von allen möglichen Seiten zu beleuchten. Ich habe viele Lieder dazu und viele Gedanken und mit vielen Menschen darüber gesprochen.

Alles was ich dazu schreibe sind meine Gedanken, meine Gefühle und das was ich im Alltag um mich rum

beobachte. Letztendlich muss jeder für sich selber Entscheidungen treffen und damit leben.


Als erstes möchte ich mich dem Thema Freiheit in Beziehungen widmen.

Diese Thematik ist eine der spannendsten, wie ich finde.

Und auch oft Verursacher des größten Leides.


Ich selber empfinde meine Freiheit als das größte Gut was ich besitze. Denn sobald ich eingesperrt werde fange ich an zu beißen und um mich zu schlagen. Damit meine ich meine geistige, aber auch meine „körperliche Freiheit“.


Freiheit in Beziehungen ist oft gleichzusetzen mit Sicherheit.

Klar in dieser Welt, in der nichts mehr sicher ist, wie Silbermond schon in einem Song erwähnte....


(Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.
Gib mir einfach nur ein bisschen Halt. Und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit. Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was...irgendwas, das bleibt.)



Warum benötigen wir Sicherheit. Haben wir verlernt in uns selber sicher zu sein?

Weil wir zu viel Wert auf die Meinungen und Blicke der anderen legen. Woher kommt das? Das die Welt sich schneller dreht und morgen alles vorbei sein könnten? Warum sind wir unsicher und waren es unsere Eltern auch schon?


Warum haben wir solche Angst vergänglich zu sein? Das Morgen bekommen wir dann ja eh nicht mehr mit.


In sich sicher sein. Wie das wohl geht. Ich möchte behaupten, aus Erfahrungen, dass ich in mir sicher bin. Ich benötige keine Sicherheit. Weder von einer Frau noch von einem Mann. Noch von gekauften Dingen. Was ich also will bzw. mir wünsche ist jemand der auch in sich sicher ist. Von mir bekommt man Sicherheit durch Liebe, nicht durch Bestätigung, gekauften Sicherheiten oder gar einem Käfig.


Denn Fakt ist: morgen kann alles vorbei sein und sich ändern. Eine Garantie für Unendlichkeit haben wir nicht. Hatten wir auch noch nie. Von daher ist es eine Farce sich über Besitztümer und Gefängnisse Sicherheit schaffen zu wollen.

Ich kann mich morgen verändern und nicht mehr wollen, genauso kann ich jemanden treffen der mich umhaut. Und meinem gegenüber kann das gleiche passieren. Keiner –ich betone- keiner ist frei davon.


Was bedeutet ein Gefängnis in dem ich lebe oder leben lasse?

Angst, Unsicherheit und Eigentum.

Ein anderer kann niemals mein Eigentum sein. Alles beruht auf Freiwilligkeit.

Durch einsperren erreiche ich nur, dass der andere die Freiheit riecht und will.

Warum wird gelogen, betrogen und verschwiegen?

Weil ich Angst habe, dass mein Gegenüber nicht mehr sicher ist. Das ich nicht mehr Sicher bin?

Verstanden habe ich Beziehungen die Käfigen ähneln noch nie. Zu sehr liebe ich die Freiheit, aber auch die damit einhergehende Ehrlichkeit.


Das Problem mit der Freiheit, welches ich erlebt habe ist in einem Zitat von Ulrich Häusler sehr gut zusammengefasst.

Wurde mir doch empfohlen, es von zukünftigen Partnern unterschreiben zu lassen, bevor man sich aufeinander einlässt.

Zu oft wurde die Freiheit die ich gebe, die grenzenlos ist und nur auf Ehrlichkeit basiert durch Unehrliches, respektloses Verhalten mit Füssen getreten. Das wiederum ist nicht der Sinn von Freiheit.


(Freiheit heißt es macht manchmal auch Sinn,
dass meine Freiheit da enden muss, wo die Freiheit eines Anderen beginnt.)

(Curse – Freiheit)


Zurück zu Ulrich Häusler:


Freiheitsspiel

Spielst Du mit mir das Spiel
der Freiheit -
aber wenn ich Dich loslasse,
lasse mich nicht fallen.


Käfige veranlassen oft, wie schon geschrieben, dazu Dinge zu machen und zu verheimlichen. Was wichtiger ist in einer Beziehung (ganz gleich ob Liebesbeziehung, Freundschaft,...) ist meiner Meinung nach eine Frage der Priorität. Was wünsche ich mir von meinem Gegenüber.

Will ich das Ehrlichkeit an oberster Stelle steht oder will ich, dass mein Gegenüber in meinem Käfig funktioniert und mir Sicherheit gibt.


Wie viele Paare kenne ich, die lieber sicher und unglücklich leben, als in sich sicher und frei?

Ist es das was zählt im Leben?


Ich habe mich ganz klar einmal entschieden.


Freiheit bedeutet mir alles.

Alles hat aber auch seinen Preis. (Ulrich Häusler)

Bisher habe ich immer den Preis bezahlt und ich werde es weiterhin tun.


Ich möchte Ehrlichkeit. Von mir – mir gegenüber. Und von meinem Gegenüber – sich gegenüber und mir gegenüber. Nichts empfinde ich als eine größere Herausforderung, als mit jemandem in einer Beziehung zu stehen, von dem ich das Gefühl habe, dass er nicht ehrlich ist. Weil er einen Käfig will.


Macht das Sinn?


Ich sage also, Menschen die in Käfigen sind, sind früher oder später nicht ehrlich, weil sie wissen, dass der andere es nicht für gut heißt?

Weil sie auf der einen Seite den Käfig wollen, er gibt ihnen Sicherheit, aber doch die Freiheit riechen?


Zu viele Menschen kenne ich, die ihren Partner betrogen haben.

Wann fängt betrügen an, im Kopf oder erst wenn man es tut?

Der Reiz ist zu groß verbotenes zu tun.


Nun komme ich, reiße alle Mauern ein, nichts ist Verboten. Alles ist erlaubt, außer mit Füßen treten.

Ich habe noch keinen Menschen getroffen der damit umgehen kann.

Im Gegenteil, nachdem ich alle Mauern eingerissen habe und somit das äußere Gefühl der Sicherheit genommen habe. Fangen sie an Stein um Stein die Mauern wieder aufzubauen.


Das ist der Punkt an dem ich dann gehen muss.


Zwei Lieder begleiten mich dazu:


„Das nenn ich Freiheit“ von Inflabluntahz....


Einzelne Textpassagen lauten wie folgt:


Deswegen sollte man jeden Tag, jede Sekunde
in seinem Leben seine Freiheit zu schätzen wissen.
Freiheit entsteht im Kopf,im Herzen und sie lässt dir Flügel wachsen,
die jedes Meer, jeden noch so großen Ozean zu überqueren bereit sind
ich weiß ja selbst wie verrückt das klingt, aber das nenn ich Freiheit!

Mögen alle Stifte brechen ich fühl mich frei wenn ich schreibe
zerreiße Seiten stell mich auf die Straße und schreib es mit Kreide
und auch wenn Wolken aufziehen ich bleibe frei wenn mich der Regen trifft
und spült er meine Worte weg, dann lach ich weils halt Leben ist.

Ich seh der Sonne gerne zu ist sie abends rot gefärbt
der Horizont unendlich und die Winde spieln' ihr großes Konzert
ich muss zugeben, es ist wahrlich nicht oft so
doch solche Augenblicke zeigen: es lohnt sich warten, also Kopf hoch
Ich schreib es nieder und mach mich frei von Enttäuschung

denn ob ich morgen sterbe weiß ich nicht wer weiß, vielleicht heut schon
Doch jetzt bin ich frei und kann auch morgen noch lächeln
Gutes zu schätzen wissen, trotzdem im verborgenen schätzen
und ich mein nicht das Geld, ist nur geschmolzenes Eisen
doch unbezahlbar ist die Freiheit in den goldenen Zeiten
und ich muss lächeln, jedesmal wenn ich vor Glück schon Tränen weine
ein kurzer Augenblick und doch Momente für die Ewigkeit..
DAS NENN ICH FREIHEIT



und „Freiheit“ von Curse:


Freiheit bedeutet sein wie ich bin, Freiheit heißt für mich Fehler machen wie’n Kind.
Und wenn’s sein muss, fall ich halt hin.
Doch ich steh wieder auf, Freiheit heißt zöger nicht, sondern lauf
Wenn du weißt was du willst, dann tu es, wenn nicht dann tust du es auch
Freiheit bedeutet frei sprechen, frei machen, frei bleiben
Mauern die, die Angst vom Versagen errichtet einreißen, Mut haben
Freiheit bedeutet auch zu enttäuschen, sich selbst zu erfüllen
anstatt die Erwartungen von anderen Leuten
Freiheit heißt auch Entscheidungen treffen
Freiheit heißt sich hin und wieder auch die Freiheit zu nehmen die Meinung zu wechseln
Freiheit heißt es macht manchmal auch Sinn,
dass meine Freiheit da enden muss, wo die Freiheit eines Anderen beginnt
Aber Freiheit darf niemals heißen: entsagen von unseren Rechten
Nach ihr zu leben, zu streben und frei über sie zu sprechen
Mit meinen Texten kann ich nur meinen kleinen Teil beitragen
Freiheit kann man nicht eindämmen, Freiheit muss man ausatmen.



In diesem Sinne....

Montag, 27. Februar 2012

Wer ist da...?


Gerade hatte ich ein interessantes Gespräch. Es ging um ein Familienessen.

Zu dem man hingehen muss. Obwohl man gar nicht so richtig will, weil es eine Anstrengung bedeutet, weil die Familie bzw. die Menschen nicht genau sehen können in welcher Situation man steckt bzw. welchen Funken man benötigt.


Es gibt Situationen und Menschen. Und es gibt Situationen in denen einfach bestimmte Menschen mehr helfen und mehr unterstützen können, als vielleicht die Menschen, von denen man es erwartet. Von der Familie erwartet man ja oft die bedingungslose Annahme und Unterstützung. Doch wird man von seiner Familie manchmal auch verfälscht wahrgenommen.



Mein Vater zum Beispiel. Ein Araber (mein Papa hört das gar nicht gerne....ein Deutscher mit arabischer Wurzel...also ein Araber mit deutschem Pass). Bei uns weint man nicht. Und schon gar nicht eine starke Frau. Das ist jetzt sehr persönlich, aber in den Augen meines Vaters gibt es nichts was ich nicht schaffe. Und weinen geht schon gar nicht.

Ich erinnere mich, wie ich einmal ein Wildschwein mit meinem Auto anfuhr. Ich konnte wirklich nichts machen. Es kam über den Mittelstreifen und war auf einmal auf meiner Spur. Das Wildschein hat, glaube ich, nicht überlebt und ich hatte den Schock meines Lebens. Schließlich hatte ich in dem Lebensraum des Tieres (Straßen kamen nun mal einfach später) es angefahren. Ich habe ziemlich geweint und mir Vorwürfe gemacht...

kam am nächsten Tag zu meinem Papa, erzählte ihm davon und sein einziges Kommentar war:“ Hör auf zu weinen, Frauen weinen nicht.“ Zack Sache erledigt.

Das ist das Bild was er von seiner Tochter hat. Eine starke Tochter. Die keine Hindernisse kennt und erst recht nicht weint wenn sie ein Tier angefahren hat. Dieses Bild an sich ist ja auch gut, denn es hat mich geprägt und mich herausgefordert nicht schwach zu sein. Aber geht es im Leben wirklich darum, immer stark zu sein?


Wie soll ich also schwach sein, bei meinem Vater. Und meine Schwäche zeigen.

Das geht nicht. Dafür habe ich aber Freunde bei denen es möglich ist. (Zumal ich dazu sagen muss, dass ich am liebsten alles mit mir ausmache und es selten vor kommt), aber ich weiß ich habe Menschen, vielleicht auch fremde Menschen bzw. Bekannte, bei denen ich schwach sein kann, weil sie eben kein bestimmtes Bild (wie der Vater von seiner Tochter, der Bruder von der Schwester, etc.) von einem haben.


Kommen wir also zu dem Punkt, von meiner Familie erwarte ich, dass sie mich erkennt und unterstützt. Meine Familie kann das aber gar nicht, weil diese Bild herrscht, was sich irgendwann mal festgesetzt hat (Produkte der Erziehung,....)


Also helfen uns auf einmal Menschen, die vielleicht nur Bekannte, fast schon fremde Menschen oder eben Freunde sind. Die es schaffen uns die Energie zu geben, die wir benötigen, um Hindernisse oder Durststrecken zu überwinden. Freunde sind dafür da. Nicht immer alle. Aber einer oder einige werden sich immer finden. Die, die gerade Energie haben und abgeben können. Irgendwann kommt der Tag an dem es vielleicht andersherum ist.


Es ist also eine Frage der Erwartungshaltung. Mit bestimmten Sachen kann ich also zu Freunden/ Bekannten gehen und mit anderen zu meiner Familie.


Nicht immer ist derjenige von dem ich es erwarte auch der Mensch von dem ich das, was ich brauche einfordern kann.

Dafür tritt (oft) jemand in das Leben ein, der vorher nur am Rand war oder gar nicht da war und der abgeben kann. Spannend, wie der Kreislauf funktioniert.


Manchmal, verschwinden diese Menschen danach wieder, manchmal bleiben sie. Für eine Zeit oder für ‚immer’.

Dieses zu erkennen und anzuwenden und dankbar dafür zu sein, kann uns eine Menge Last und Druck nehmen. Und auch das Leben mit den Erwartungen an die Freunde und Familie einfacher machen.


Zum Schluss ein treffendes Zitat, Freund kann auch gerne ersetzt werden in Bekannter, Fremder, etc. Letztendlich jemand, der dir einen Funken sprüht, damit dein Feuer wieder entfachen kann. Oder du wieder zu deiner Melodie tanzen kannst.


„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“

Albert Einstein

Sonntag, 8. Januar 2012

The world is my playground...

Beobachtungen einer Frau an sich selbst und wie sie die Welt sieht, die 10, 15 Kilo abgenommen hat.



Schon spannend. Das letzte mal habe ich versucht in Worte zu fassen, was die Welt sieht. Oder sollte ich sagen wie die Welt sieht?


Nach einigen Gesprächen, Gedanken und Taten ist es mir heute ein Bedürfnis zu versuchen meine Sicht in Worte zu fassen. Dieses Thema ist so komplex und groß und

ungewollt gewollt ein so großer Teil meiner Lebensgeschichte, das ich es nur versuchen kann.



Was meine ich, wenn ich schreibe The world is my playground?



Was ich damit meine? Schaut man sich einen Spielplatz an, gibt es Kinder, die Spielen alleine, zu zweit oder aber mit noch mehr Kindern, andere sitzen nur rum und gucken, wieder andere Kinder machen Unfug. Die „Erwachsenen Kinder“ sitzen am Rand, schauen zu, achten auf ihre Kinder, unterhalten sich, essen usw.


Ich gehe eigentlich immer schaukeln wenn ich einen Spielplatz sehe. Egal wo auf der Welt.


Vergleichen wir also die Welt mit einem Spielplatz haben wir im Grunde alles oben beschriebene und noch mehr. Aber am meisten haben wir Spaß, Leichtigkeit und von außen gesehen Oberflächlichkeit. Man kennt sich nicht gut, aber man grüßt sich oder man kann sich nicht leiden aber man führt einen smalltalk.. Denn die Kinder spielen ja miteinander.


Die Menschen die mich kennen und einzuordnen wissen, die wissen auch, wie wenig oberflächlich ich bin und lebe. Ich gebe nicht viel auf Aussehen, Statussymbole oder anderes. Durch die vielen Kilos die mir fehlen begebe ich mich zwangsläufig erst einmal in eine oberflächliche Welt bei der nur Äußeres zählt. Und es ist meine Entscheidung, ob ich mitspielen möchte oder nicht. Meistens spiele ich mit. Am meisten ist es mir beim Kellnern im Dezember aufgefallen. Wie einfach es doch ist als schöne Frau Menschen und vor allen Dingen Männer um den Finger zu wickeln.

Spaß macht es schon, alles ist es nicht. Und immer will ich es auch nicht. Es ist ja eben doch nur die Oberfläche an der gekratzt wird. Es ist eine gewisse Art der Leichtigkeit, ...


Letztendlich bleibt es für mich wichtig zu unterscheiden wann ich spielen möchte und wann nicht. Die Fäden hierfür habe ich in der Hand und nicht die Welt.

The world is my playground, Und ich spiele mit. Interessant wie, oberflächlich gesehen, einfach es auf einmal ist.


Kommen wir nun zu der anderen Seite, das was mich wirklich bewegt und beschäftigt:


Das schwierigste ist in meinem Kopf zusammenzubekommen wie ich aussehe.

Die Menschen die mir Nahe sind bekommen immer wieder die Frage: „Sehe ich dick darin aus? Kann ich das wirklich tragen?“ Und immer bleibt das kleine Restgefühl, dass sie mich belügen, wenn sie sagen, dass dem nicht so ist.

Wenn es danach geht müsste aber meine Waage mich auch belügen....geht das denn, das diese Zahl dort steht? Ist sie wirklich echt? Oder bilde ich mir das ein? Ja? Aber eine Waage lügt doch nicht oder? Kann nicht noch wer anders mal gucken und etwas dazu sagen?

Neulich wurde mir gesagt ich bin schmal. Ich bin doch nicht schmal? Nein Sophie nicht, wer anders vielleicht.....


Und auch immer noch passiert es mir, dass ich zu den falschen Größen greife wenn ich einkaufen gehe.

Das härteste ist, in den Spiegel zu gucken und das zu sehen was wirklich dort ist.

Der größte Betrüger ist wohl das Selbstbild zumindest im körperlichen.

Am meisten fällt mir mein neuer Körper auf, wenn ich mich auf Fotos betrachte. Fotos hatten schon immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben, aber wohl noch nie einen so hohen wie momentan. Nur so kann ich sehen, was die anderen sehen. Nur so kann ich lernen und annehmen, dass ich das bin auf den Fotos. Nur so kann ich meinen Körper und meinen Kopf in Einklang bringen. Noch immer gibt es viel zu viele Momente in denen ich mich in meinem alten Ich fühle.


Verstanden habe ich es lange noch nicht. Und die Welt auch nicht.


Aber es gibt sie, die Momente in denen ich mich wirklich zu 100% angekommen fühle in meinem Körper. Meisten wenn ich morgens vor dem Spiegel stehe und mich betrachte. Dann denke ich so bei mir es ist schon alles anders. Das ist ein Lichtblick, den ich mehr und mehr versuche umzusetzen....

Samstag, 26. November 2011

Beobachtungen einer Frau,....

...die 10, 15 Kilo abgenommen hat.

Wie viele es genau sind? Keine Ahnung. Was ich weiß ist, das es sichtbar ist. Ganz schön sichtbar.

Ich war nie wirklich dick oder pummelig, ich war aber eben auch nie schlank. Ich würde behaupten ich war im deutschen Mittelfeld, falls es das noch gibt.
(Gestern habe ich in einem Gespräch festgestellt, dass es auch hier eine Verschiebung der „Größen“ gibt. So wie die Mittelschicht verschwindet, so verschwinden auch die „Mitte-“ Menschen. Entweder gibt es richtig dick oder richtig dünn, aber die Mitte fehlt.)

Früher habe ich mir, um mich zu schützen eingeredet, dass man nicht mehr wert, interessanter und geliebter ist wenn man schlank ist. Heute muss ich mit entsetzen feststellen, dass es nicht stimmt. Den Schutz, von dem ich immer die Hoffnung hatte er wäre wahr stellt sich nun als eine Unwahrheit heraus. Denn meine Erlebnisse der letzten Wochen und Monate bestätigen das, was ich nie bestätigt haben wollte. Ich bin mehr wert, interessanter und geliebter, weil ich schlank bin.

(Es geht mir schwer über die Finger zu schreiben ich wäre schlank, denn in meinem Kopf ist es noch lange nicht angekommen, ich wollte nie abnehmen, geschweige denn so viel, dass mir sogar die Ringe vom Finger fallen und ich meinen Kleiderschrank eigentlich samt Inhalt aus dem Fenster werfen kann um mir neue Dinge zu kaufen. Solange ich das nicht tue, laufe ich rum, als wäre ich geschrumpft wie meine gute Freundin D sagen würde).



Meine Erlebnisse der vergangenen Woche haben mich so entsetzt, dass mein Gedanke folgender war: So will ich das nicht, ich nehme einfach wieder 10 Kilo zu. Das wird natürlich nicht passieren, denn auch wenn ich noch dieselbe Person bin, mein Lebensstil ist ein anderer.

Wenn du in der Chefetage unterwegs bist und ein Mensch, der dich seit zwei Jahren 1-2 mal die Woche sieht und dich nie anspricht, weil du nicht in sein Beuteschema passt und auf einmal (oh Wunder, oh Wunder) spricht er dich an, ist sogar freundlich und fängt ein Gespräch über den Nachnamen und die Herkunft an, dann frage ich mich schon in was für einer Welt wir doch leben. Auf einmal werde ich gesehen? Weil ich schlank bin?

Ich höre schon die Menschen in meinem Ohr, die sagen: „ Sophie, so ist das nun mal“ oder „Die Werbung ist schuld“ oder „Ja unsere Gesellschaft ist nun mal oberflächlich, finde dich damit ab“.

NEIN, ich finde mich nicht damit ab! Und ja unsere Gesellschaft, aber WIR sind doch unsere Gesellschaft.

Eine Gesellschaft die es mit Worten legitimiert, dass Menschen, oft schon junge Mädchen und Jungs sich kaputt machen. Eine Gesellschaft, die sich von ein paar Köpfen der Werbung ein Leben indoktrinieren lässt, wie sie zu sein, zu handeln und zu denken hat.

Immer wieder kehrt die DOVE Werbung in meinen Kopf, die mit den „normalen Menschen“ mit den „Mitte-“ Menschen, mit den Menschen, wie sie eben in einem Land in dem die Individualität des einzelnen hoch gehalten wird, produziert wurde. Und wenn ich darüber nachdenke, wünsche ich mir für meine Kinder und Nichten und Co, dass es mehr von diesen Werbungen gibt in denen Menschen gezeigt werden, die so sind, wie sie sind. Denn meine Generation und die nachfolgende könnte, wenn sie Glück hat und intelligent ist Macher solcher Kampagnen werden.



Was ist also die Konsequenz? Mein persönliche Konsequenz?

Ich werde vermutlich nicht wieder zunehmen, ich denke ich werde versuchen mit den Oberflächlichkeiten der anderen umgehen zu lernen. Und mich selber entscheiden wann ich welches Spiel mitspielen möchte.

Denn letztendlich geht es darum, dass ich mich gut fühle.

Ich alleine.

Nicht ich mich in der Gesellschaft oder die Gesellschaft sich in mir. Ich muss mit meinem Körper und Geist zufrieden und glücklich sein. Und wenn ich es nicht bin, dann ist es meine Pflicht und Verantwortung etwas zu ändern.



Traurig macht es mich trotzdem....



Gerne möchte ich an dieser Stelle CASPER zitieren, der mit 'So perfekt' ein tolles Lied und Video geschaffen hat.



Bist du der, der sich nach vorne setzt? Den man beim Sport zuletzt wählt?
Sich quält zwischen Cheerleadern und Quarterbacks?
Den man in die Tonne steckt? Nicht dein Tag, jahrelang
Dann in der Abschlussnacht ganz allein zum Ball gegang'
Doch wenn schon scheiße Tanzen dann so, dass die ganze Welt es sieht
Mit Armen in der Luft, beiden Beinen leicht neben dem Beat
Und wenn du mit der Königin die Fläche verlässt, sag dir
diese Welt ist perfekt! Perfekt

Du lachst, du weinst. Du strahlst, du scheinst
Du kratzt, du beißt, Fastenzeit vorbei
und wie du brennst, wie du wächst, wie du wächst
Alles wird perfekt! Alles, alles, alles wird perfekt
So perfekt! So peeerfekt! Alles wird perfekt! So perfekt! So peeerfekt

Du – dieser Körperklaus. Sie – diese Mörderbraut
Körperbau top, Kopfhörer auf
Dein Atem stockt, du stotterst ein paar Wörter raus
Große Nase stört sie nicht, rote Haare steht sie drauf
Du bist schön, du bist aus Gold
Sitzt in deinem Monstertruck sonnenbrandgebräunt, rollst los
Hansdampf, rammst alles weg, mit dem Kopf durch die Wand
Diese Welt ist perfekt.



http://www.youtube.com/watch?v=xeMLX5gvscg