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Freitag, 14. Februar 2014

Von Zugfahrten und anderen Gedanken


Bei langen Zugfahrten oder Autofahrten, wenn die Welt an mit vorbeizeiht, dann ist immer Denkzeit angesagt. Mit Musik in den Ohren, wenn alles an mir vorbeizieht habe ich das Gefühl undendlich mit meinen Gedanken zu sein. Nur ich, in mir und meinem Kopf.
Die Welt zieht an mir vorbei. Ich sehe Dörfer, Bäche, Tiere. Ich sehe schönes und weniger schönes. Ich rieche nicht. Ich schmecke nicht. Ich sehe nur. Vor den Kulissen und hinter den Kulissen.

Menschen kommen mir in den Sinn. Einige alte Freunde vor meinen Augen. Mit ist so, als würden sie immer mit mir reisen. Obwohl sie manchmal gar nicht mehr aktiv teilhaben an meinem Leben. Da hätten wir meine alte Freundin. Sobald ich mich auf eine Fahrt begebe ist sie mit mir. Ich denke an erlebtes und unerlebtes. Ich denke an Wünsche die wir geteilt haben an vergangenes und an aktuelles. Ich denke an gesprochenes und unausgesprochenes.

Es heißt ja nachts herrscht eine andere Realität. Ich finde auf Fahrten auch. In diesem leeren Raum herrscht eine Magie. Viele Menschen an einem Ort und jeder hat ein Ziel. Ankommen. Und jeder hat einen anderen Weg, obwohl wir augenscheinlich alle denselben haben! Jeder ist mit seinen Gedanken, mit seinem Buch, mit seiner Musik. Allein. Allein mit seinem Leben.
Diese Magie der Fahrt. Alles bewegt sich nur ich selbst stehe still. Kein Wunder, dass die Gedanken anfangen zu kreisen.

Bewege ich mich nicht, sondern werde bewegt.

Müssen sich unsere Gedanken bewegen, wenn wir bewegt werden? Was passiert sonst mit uns? Würde uns dieses Gefühl verrückt machen? 

Donnerstag, 21. Juni 2012

Freiheitsspiel - mein Lied über die Freiheit 2. Teil


Freiheitsspiel
Spielst Du mit mir das Spiel
der Freiheit -
aber wenn ich Dich loslasse,
lasse mich nicht fallen.

Ulrich Häusler


Nachdem ich mich heute mal wieder eingehend mit dem Thema Freiheit beschäftigen musste, habe ich noch mal den alten Text über Freiheit gelesen und dabei ist mir aufgefallen, dass ich auf dieses Zitat gar nicht weiter eingegangen bin. Dabei ist es doch hochgradig spannend:

Was passiert in unserer Gesellschaft, was passiert mit uns, in uns, wenn wir das Spiel der Freiheit spielen?

Eine spannende Frage, die Idee die Ulrich Häusler hier hatte ist sehr ehrlich und auf eine Art und Weise sehr verletzend. Es scheint zu oft zu passieren, dass man fallengelassen wird, wenn man Freiheit gibt.
Wir Menschen sind gar nicht mehr in der Lage mit einer Freiheit umzugehen. Ist unser Tun und unser Handeln doch bestimmt von richtig oder falsch der Gesellschaft und der Gesetze. Doch bevor ich weiter auf das Freiheitsspiel eingehe, widme ich meine Gedanken dem ‚Spiel’:

Eine alte Definition für Spiel stammt von dem niederländischen Kulturanthropologen Johan Huizinga. In seinem Hauptwerk Homo ludens schreibt er:

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“
– Huizinga: 1938/1991, S. 37

Als ich mit einigen Menschen über das Freiheitsspiel geredet habe, wurde mir immer wieder das Argument entgegengebracht, wie negativ ‚spielen’ doch heutzutage besetzt ist. (Z.B. Ich spiele mit dir...symbolisiert auf Beziehungsebene eine Herabsetzung und eine Ausnutzung und nicht Würdigung meines Gegenübers). Ist es somit hinterhältig, falsch und mit Konkurrenzdenken behaftet.

Aber ist es nicht viel mehr so, dass spielen erst im Erwachsenenalter negativ wurde und von uns bzw. der Gesellschaft pervertiert wurde?
Haben wir als Kinder nicht alle gerne gespielt und uns weder etwas dabei gedacht, noch uns wirklich darum gekümmert wer Gewinner oder Verlierer ist? Das Spiel an sich ist positiv. Kinder spielen anders als Erwachsene. Unbedarft und Bedingungslos und nicht zu vergessen mit Spaß. Wir würden niemals etwas negatives assoziieren, wenn ein Kind uns fragt, ob wir mit ihm spielen möchten. Bei uns geht es oft um Konkurrenz. Ich muss Gewinnen....das beobachtet man bei Kindern auch, aber auf ganz anderer Ebene.

Wann wurde spielen negativ? Könnt ihr euch daran erinnern?
Wenn ich das Zitat von Johan Huizinga richtig interpretiere (und ich habe mir nur das Ende vorgenommen), kann man fast rauslesen, warum spielen negativ besetzt ist. ‚Anderssein’ das ist heute nicht anerkannt, es geht darum mit dem Strom zu schwimmen, nicht aufzufallen und gesellschaftlich akzeptiert zu sein.

Wie singen ‚Die Ärzte’ in ihrem Lied Junge:

Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm (Was solln die Nachbarn sagen?) Und dann noch deine Haare, da fehlen mir die Worte Musst du die denn färben? (Was solln die Nachbarn sagen?) Wie kommst du nach Hause, wir wissen nicht mehr weiter.


Das spielen wurde uns aberzogen. Das Leben ist ernst und kein Spiel. Es hat sich ausgespielt, sobald man in die Pubertät kommt bzw. ins Erwachsenenalter eintritt. Und zu allem Überfluss ist spielen auch gesellschaftlich oft nicht anerkannt. So wird das Kind in uns doch gerne vergessen. Erwachsene, die für ihr Leben gerne mit Modelleisenbahnen oder sonstigem spielen werden belächelt und für nicht richtig im Kopf befunden (à ‚Anderssein’).
Also unterm Strich können wir festhalten: Das Spielen haben wir verlernt.

Ich habe mich gefragt wo ‚Spiel’ seinen Ursprung hat und wie es definiert wird. Sehr spannend, lest doch mal rein: http://de.wikipedia.org/wiki/Spiel


Zurück zu dem oben genannten Text.

Gerne möchte ich den Text in seiner einfachen Kompliziertheit versuchen verständlich zu machen und tiefer zu beleuchten:

Spielst du mit mir...:
das geht ja schon gut los. Ich bin ja ein Freund von Spielen und vom spielen, ganz egal in welcher Hinsicht.
Aber hier geht es wohl eher um eine Herausforderung, als um ein Spiel. Top oder Flop würde es wohl auch beschreiben. Oder: Traust du dich...?
(Top oder Flop spiele ich heute noch sehr gerne. Es hat schon die witzigsten Situationen auf der Straße, im Club, in meinem Job und in meinem Leben hervorgerufen. Wer den Film ‚Liebe mich wenn du dich traust’ gesehen hat wird verstehen was genau hier gemeint ist. Wer ihn noch nicht gesehen hat, dem kann ich ihn nur ans Herz legen).

Diese Herausforderung klingt für mich eher als eine Möglichkeit sein gegenüber auf Augenhöhe zu holen. Die Frage, die sich für mich dahinter verbirgt ist wohl eher eine andere: Traust du dich, mit mir die Freiheit zu leben? Alles kann und nichts muss? Jeder ist frei und trotzdem sind wir ehrlich, verbunden und verbindlich uns gegenüber?

Spielst du mit mir....geheimnisvoll und spannend stellt sich diese Frage zu Beginn dar.

Ist ja in erster Linie eine gute Idee. Wir ernst ist ein Spiel? Die andere Frage, wie ernst ist ein Spiel, wenn es um einen selber, seine Freiheit und um die Verantwortung und den Respekt des Gegenübers geht?

Wir dürfen hier nicht vergessen, dass jedes Spiel, egal wie frei es ist, Regeln hat.

...das Spiel der Freiheit....
Ich finde hier wird, wie im Kindesalter, auf spielerische Weise versucht dem Gegenüber die Freiheit näher zu bringen, das klingt irgendwie ganz schön komisch und auf eine Art und Weise wie ein pädagogisches Konzept. In Zeiten in denen Freiheit gar nicht mehr gelebt werden kann, entweder aus persönlichen Begrenzungen die man sich auferlegt oder durch auferlegte Begrenzungen der anderen, soll es uns spielerisch beigebracht werden?

Ein Experiment hat finde ich relativ klar gezeigt wie ein Großteil der Menschheit wohl tickt.
Das Video findet ihr unter Youtube und TheFuntheory – Piano Stairs.

Die Frage lautet hier:
...Can we get more people to choose the stairs by making it fun to do...?

http://www.youtube.com/watch?v=2lXh2n0aPyw

Siehe auch dieses Video:
http://www.youtube.com/watch?v=cbEKAwCoCKw

ein letztes noch:
http://www.youtube.com/watch?v=AmyBp8e76eY&feature=related


Ich finde, wir können diese Theorie in alle Lebensbereiche übertragen!!!

Die Frage zum Freiheitsspiel könnten so aussehen:
Können wir mehr Menschen dazu bekommen ihre Freiheit zu leben, sich nicht mehr einzuengen, anders zu sein, aus der Masse herauszutreten? Spannende Frage! Unter diesem Aspekt habe ich das noch nie betrachtet.

Das schwierige ist, finde ich, wenn man diese Freiheit, so wie ich, mit all seinem Dasein lebt, möchte man sich doch gar nicht mehr einschränken. Oder?
So erlebe ich das zumindest. Und damit meine ich nicht, dass man Kompromisse eingehen sollte. Das im Gegenzug finde ich sehr wichtig und auch die Spielregeln einzuhalten (respektvolles Miteinander, gegenseitige Rücksichtnahme, keine Verletzungen, Ehrlichkeit) .
Aber,....meine Freiheit einschränken, nur weil mein Gegenüber vielleicht nicht in der Lage ist seine Freiheit zu leben?

...aber wenn ich dich loslasse,....
Hier haben wir Gewinner. Beide haben auf ihrer Ebene die Freiheit in ihrer Beziehung angenommen. Er/Sie darf gehen, frei denken, frei sein. Alles ist erlaubt. Ich werde losgelassen oder ich lasse los.
Eltern müssen zum Beispiel irgendwann ihre Kinder loslassen. Kinder müssen eigene Entscheidungen treffen und Eltern müssen diese akzeptieren. Das ist ein gutes Beispiel für diesen Satz, bzw. für das ganze Freiheitsspiel.

Loslassen ist so schön! Dinge einfach sein lassen. Situationen, Menschen, Tiere, Dinge. Luftballons loslassen, finde ich das größte, wie sie frei wie ein Vogel, einfach wegschweben. Seifenblasen rufen ein ähnliches Glücksgefühl bei mir aus!

Loslassen und losgelassen werden geben einem das Gefühl der Befreiung. (Be-frei-ung).

....lasse mich nicht fallen.
Viele empfinden bei vollkommener Freiheit in Beziehungen, als wären sie aus einer langen Knechtschaft gekommen. Nur so kann ich mir erklären, dass einer von beiden die Freiheit mit Füßen tritt und die Spielregeln missachtet. (Wie schon im ersten Text erwähnt: Meine Freiheit muss da aufhören, wo die eines anderen beginnt). Fallenlassen kann man hier wohl eher breitgefächert auslegen. Geht es entweder darum seine Verantwortung zu vergessen oder unehrlich zu werden.

Ich möchte an diesem Punkt noch das Wort Orientierungslos mit einbringen. Ich glaube Menschen sind oft überfordert mit zu viel Freiheit. Mit zu vielen Entscheidungen die sie treffen dürfen, dass sie alles wollen und davon ganz viel und dann den Partner einfach fallenlassen und vergessen und meistens als nicht mehr wichtig erachten. Das Leben bietet auf einmal so viele ungeahnte Möglichkeiten. Sie vergessen darüber oft, dass sie eine Verantwortung sich und ihrem Gegenüber tragen. Sie vergessen die Spielregeln UND sie vergessen, dass sie auch die Verantwortung für ihre Handlungen tragen müssen.

Der, der fallengelassen wird, weil er Freiheit lebt und leben will, der kann sich in diesem Fall glaube ich nur auf seine Freiheit berufen und sich damit trösten. Jeder Mensch ist frei, dass zu tun, was er für richtig hält. Leider wird hier vergessen, dass es so viele Irrungen und Wirrungen in dieser Welt gibt und wir oft verlernt haben auf unser Herz zu hören und so beeinflussbar sind von Meinungen, Statistiken, gelesenem, gehörtem.

Einige passende Zitate möchte ich zum Abschluss noch einbinden:

Die fünf Freiheiten des Menschen

Sehen und hören, was wirklich ist, nicht: was sein sollte.
Sagen, was ich denke, nicht: was ich denken sollte.
Fühlen, was ich wirklich fühle, nicht: was ich fühlen sollte.
Fordern, was ich möchte, nicht: immer erst auf Erlaubnis warten.
Risiken eingehen, ohne sich immer erst abzusichern.
Virginia Satir



Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die Grenzen setzt.
Ingmar Bergman

Gedanken wollen oft –wie Kinder und Hunde- dass man im Freien mit ihnen spazieren geht.
Christian Morgenstern

Zu guter Letzt:
Ein zahmer Vogel singt von der Freiheit, ein wilder fliegt.


Ich werde immer weiter fliegen...Sonne im Herzen, Sophie

Sonntag, 25. März 2012

Über Strausse und andere Vögel



Der Strauss der den Kopf in den Sand steckt. Ein wirklich schönes Bild, welches wir immer wieder in dieser Welt beobachten und erleben dürfen.


Es ist leider aber auch oft ein Bild für meine Umgebung.


Es ist sehr interessant, welche Personen man anzieht. Sind es doch oft diejenigen

die uns gedanklich stoßen – anstoßen. Entweder passt uns etwas an ihnen nicht und wir sollen etwas lernen oder sie sollen etwas lernen, weil wir eine Eigenschaft besitzen, die ihre Aufgabe darstellt. Letztendlich können wir von jedem Menschen der uns umgibt oder der unser Leben streift (ob kurz oder lang) etwas mitnehmen.


Spannend. Ich habe seit einiger Zeit, vielleicht auch schon immer,

Menschen um mich, die gerne den Kopf in den Sand stecken und sich einfach ausschweigen zu Dingen, zu Konflikten.


Wie ich das hasse, das Ausschweigen. Soll ich nun lernen das Schweigen zu ertragen oder sollen sie lernen Dinge auszusprechen? Meine Aufgabe hat wohl weniger mit diesem Part zu tun. Eher mit etwas anderem.

Aber darum geht es hier ja nicht.


Wie sagte eine enge Freundin über mich? Man kann mit mir über alles reden solange man über alles redet? Bingo.

(Dort ist der schwierige Punkt der Ehrlichkeit, sich selbst und in diesem Falle dann auch mir gegenüber, aber das Thema, folgt)

Sophie erkannt. Redet über alles. ALLES. Angenehm, unangenehm ganz egal. Alles ist machbar und händelbar und lösbar. Und alles ist eine Aufgabe. Aus absolut ALLEM kann man etwas lernen und mitnehmen.

Es gibt keine Probleme, es gibt zumindest für mich nur Herausforderungen, die eine Lösung erfordern.

So kommen wir zu den Vögeln in meiner Umgebung. So hat mich mancher schon in den Wahnsinn getrieben mit seiner Vogel-Stauss Mentalität. Aber momentan wird der Vogel abgeschossen oder habe ich die Vögel endlich abgeschossen?


Hahaha. Was für ein Wortspiel. Aber leider nicht witzig.


Ist es denn wirklich notwendig bei Problemen den Kopf in den Sand zu stecken und den anderen mit seinen Gefühlen im Stich zu lassen?


Natürlich gibt es immer den Moment, dass man sich klar werden muss über Dinge. Das man Zeit braucht um sich zu sortieren.

Aber darf ich darüber hinaus mein Gegenüber vergessen?


Es ist doch ein Fakt das jeder eine Verantwortung dem anderen Gegenüber hat. Und es eine Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit sein sollte diese auch zu übernehmen. Gerade wenn man in engerer Verbindung zueinander steht (abgesehen davon, dass der Grad der Verbindung egal sein sollte).

Diese Verantwortung übernehme ich aber nicht, wenn ich den Kopf in den Sand stecke und den anderen in einem luftleeren Raum zurücklasse mit seinen Gedanken und seiner Unwissenheit darüber was geschieht.


Verantwortung für jemand anderes zu übernehmen setzt aber auch voraus, dass ich in der Lage bin die Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen. Und wenn ich mich so umschaue....



Nun gut. So schade es ist. Jeder muss für sich morgens in den Spiegel schauen, sich in die Augen schauen und jeden Tag aufs neue entscheiden ob er fair, gerecht, ehrlich und sich der Verantwortung bewusst leben möchte.


Montag, 27. Februar 2012

Wer ist da...?


Gerade hatte ich ein interessantes Gespräch. Es ging um ein Familienessen.

Zu dem man hingehen muss. Obwohl man gar nicht so richtig will, weil es eine Anstrengung bedeutet, weil die Familie bzw. die Menschen nicht genau sehen können in welcher Situation man steckt bzw. welchen Funken man benötigt.


Es gibt Situationen und Menschen. Und es gibt Situationen in denen einfach bestimmte Menschen mehr helfen und mehr unterstützen können, als vielleicht die Menschen, von denen man es erwartet. Von der Familie erwartet man ja oft die bedingungslose Annahme und Unterstützung. Doch wird man von seiner Familie manchmal auch verfälscht wahrgenommen.



Mein Vater zum Beispiel. Ein Araber (mein Papa hört das gar nicht gerne....ein Deutscher mit arabischer Wurzel...also ein Araber mit deutschem Pass). Bei uns weint man nicht. Und schon gar nicht eine starke Frau. Das ist jetzt sehr persönlich, aber in den Augen meines Vaters gibt es nichts was ich nicht schaffe. Und weinen geht schon gar nicht.

Ich erinnere mich, wie ich einmal ein Wildschwein mit meinem Auto anfuhr. Ich konnte wirklich nichts machen. Es kam über den Mittelstreifen und war auf einmal auf meiner Spur. Das Wildschein hat, glaube ich, nicht überlebt und ich hatte den Schock meines Lebens. Schließlich hatte ich in dem Lebensraum des Tieres (Straßen kamen nun mal einfach später) es angefahren. Ich habe ziemlich geweint und mir Vorwürfe gemacht...

kam am nächsten Tag zu meinem Papa, erzählte ihm davon und sein einziges Kommentar war:“ Hör auf zu weinen, Frauen weinen nicht.“ Zack Sache erledigt.

Das ist das Bild was er von seiner Tochter hat. Eine starke Tochter. Die keine Hindernisse kennt und erst recht nicht weint wenn sie ein Tier angefahren hat. Dieses Bild an sich ist ja auch gut, denn es hat mich geprägt und mich herausgefordert nicht schwach zu sein. Aber geht es im Leben wirklich darum, immer stark zu sein?


Wie soll ich also schwach sein, bei meinem Vater. Und meine Schwäche zeigen.

Das geht nicht. Dafür habe ich aber Freunde bei denen es möglich ist. (Zumal ich dazu sagen muss, dass ich am liebsten alles mit mir ausmache und es selten vor kommt), aber ich weiß ich habe Menschen, vielleicht auch fremde Menschen bzw. Bekannte, bei denen ich schwach sein kann, weil sie eben kein bestimmtes Bild (wie der Vater von seiner Tochter, der Bruder von der Schwester, etc.) von einem haben.


Kommen wir also zu dem Punkt, von meiner Familie erwarte ich, dass sie mich erkennt und unterstützt. Meine Familie kann das aber gar nicht, weil diese Bild herrscht, was sich irgendwann mal festgesetzt hat (Produkte der Erziehung,....)


Also helfen uns auf einmal Menschen, die vielleicht nur Bekannte, fast schon fremde Menschen oder eben Freunde sind. Die es schaffen uns die Energie zu geben, die wir benötigen, um Hindernisse oder Durststrecken zu überwinden. Freunde sind dafür da. Nicht immer alle. Aber einer oder einige werden sich immer finden. Die, die gerade Energie haben und abgeben können. Irgendwann kommt der Tag an dem es vielleicht andersherum ist.


Es ist also eine Frage der Erwartungshaltung. Mit bestimmten Sachen kann ich also zu Freunden/ Bekannten gehen und mit anderen zu meiner Familie.


Nicht immer ist derjenige von dem ich es erwarte auch der Mensch von dem ich das, was ich brauche einfordern kann.

Dafür tritt (oft) jemand in das Leben ein, der vorher nur am Rand war oder gar nicht da war und der abgeben kann. Spannend, wie der Kreislauf funktioniert.


Manchmal, verschwinden diese Menschen danach wieder, manchmal bleiben sie. Für eine Zeit oder für ‚immer’.

Dieses zu erkennen und anzuwenden und dankbar dafür zu sein, kann uns eine Menge Last und Druck nehmen. Und auch das Leben mit den Erwartungen an die Freunde und Familie einfacher machen.


Zum Schluss ein treffendes Zitat, Freund kann auch gerne ersetzt werden in Bekannter, Fremder, etc. Letztendlich jemand, der dir einen Funken sprüht, damit dein Feuer wieder entfachen kann. Oder du wieder zu deiner Melodie tanzen kannst.


„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“

Albert Einstein